Vögel ganzjährig füttern

"Nur bei geschlossener Schneedecke füttern." Diese Platte wird jedes Jahr in den Medien abgespielt. Auf welcher Grundlage? Falsche Aussagen werden durch häufige Wiederholung nicht besser. Wie der reale Jahresablauf aussieht, werden wir hier betrachten.

Wie bereits hier beschrieben, bieten unsere Landschaften bei weitem nicht mehr das Nahrungsangebot, das für Vögel erforderlich wäre. Egal welche Jahreszeit. Schauen wir uns einmal den Verlauf eines Jahres an:

Frühjahr:
Der Winter mit all seinen Härten ist überstanden. Nun gilt es, die Energiereserven wieder zu füllen  für die anstrengende Brutzeit. Erst muß das Nest gebaut werden, dann werden die Eier bebrütet. Wenn man dann auch noch kilometerweit fliegen muß, um genug zu fressen zu finden, erschöpft das die Vögel sehr. Zugvögel kommen zurück und sind erst mal sehr hungrig nach der weiten Reise.

Brutzeit Frühjahr/Sommer:
Sobald die Jungen geschlüpft sind, beginnt für die Eltern der Stress: Viele hungrige Mäuler wollen von morgens bis abends gestopft werden. Womit? Es sind ununterbrochen viele weite Flüge erforderlich, um genug Insekten etc. herbeizuschaffen. Dabei kommen die Eltern an ihre Leistungsgrenzen und sind sehr dankbar, wenn sie kurz an einer Futterstelle Rast machen und sich selbst versorgen können.

Spätsommer:
Wenn die Kleinen flügge und schon einigermaßen selbständig sind, lässt der Betrieb an den Futterstellen etwas nach. Für die Eltern ist der größte Stress vorbei, die Natur bietet zu der Jahreszeit doch wenigstens etwas an natürlicher Nahrung. Diese wird immer bevorzugt.

Herbst:
Die Zugvögel müssen jetzt viel Energie für den Flug aufbauen, die die hierbleiben brauchen Fettreserven für den Winter.

Winter:
Ob Schnee oder nicht, unsere ausgeräumte Natur bietet kaum Nahrung, und die Kälte macht sehr zu schaffen. In einer einzigen Frostnacht verliert ein Vogel ca. 20% seines Körpergewichts. Diese verbrauchte Energie muß er unbedingt in den ersten Morgenstunden wieder auffüllen können, sonst stirbt er. Bereits vor dem Winter muß ein Vogel wissen, auf welche Futterstellen er sich verlassen kann, um nicht mit unnötiger Suche seine Energie zu verlieren.

Wenn man sich diesen Ablauf ansieht erkennt man, wie wichtig eine ganzjährige Fütterung ist. Je nach Jahreszeit und Wetterlage wird der Bedarf stark schwanken, ein zuverlässiges Grundangebot ist aber wichtig. Der alte Hut, nur bei Schnee zu füttern, ist zwar bequem, gaukelt uns aber falsche Tatsachen vor.

Wie kann der Aufwand für den einzelnen Vogelfreund vermindert werden?
Ganz einfach: Möglichst in vielen Gärten und Grünanlagen, idealerweise überall, Futterstellen einrichten. Somit werden Aufwand und Kosten für den einzelnen niedriger. Wenn die Futterstelle wegen Abwesenheit kurze Zeit nicht bedient werden kann, gibt es dann genügend Ausweichmöglichkeiten.

Einwand: Die Vögel werden verwöhnt
Dies kann nur jemand behaupten, der sich die Realität noch nie mit offenen Augen angesehen hat. Vögel werden immer das Angebot der Natur mit frischen Samen und Insekten vorziehen. Wenn verfügbar....

Einwand: Die Vögel (v.a. die Jungen) werden falsch ernährt
Gutes Vogelfutter ist kein falsches Futter. Außerdem haben die Vögel ihre natürliche Intelligenz. Sie bevorzugen immer ihr natürliches Futter. Doch wenn es das nicht oder zu wenig gibt, sind sie auf Alternativen angewiesen. Die Jungen werden bevorzugt mit Insekten usw. gefüttert, die Nahrung der Futterstelle ist dann der "Schnellimbiss" für die erschöpften Alten. Bekommen die Jungen doch das von uns angebotene Futter, ist das nur ein Zeichen für ein mangelndes natürliches Angebot.

Wollen Sie jeden Tag immer wieder dasselbe essen? Vögel auch nicht. Wenn sie unsere Futterstellen besuchen, wo es immer wieder dasselbe gibt, geschieht dies aus Not und Mangel. Bevorzugt wird immer das frische Buffet der Natur, falls dort genug aufgetischt wird.

Einwand: Verschiedene Naturschutzorganisationen raten von der Ganzjahresfütterung ab
Sie bieten aber auch keine besseren Rezepte.
Diese Organisationen sind wichtig als Gegengewicht massiver finanzieller und politischer Interessen. Auf diesem Gebiet leisten sie wertvolle Arbeit. Vor Ort ist aber jeder einzelne Bürger gefragt. Wie bei vielen Dingen. So wird z.B. kein einziger hungernder Mensch allein davon satt, daß es bei der UN eine Ernährungsorganisation gibt.

Kein medienwirksames Einzelprojekt hilft einem einzigen Vogel vor Ihrer Haustür. Einen Storch mit Sender auszurüsten und um die halbe Welt zu verfolgen ist interessant, hilft den Störchen an sich aber wenig. Kein Spendengeld für eine Organisation wird den Nachwuchs eines Amselpärchens hier vor Ort schützen. Das ist die flächendeckende Aufgabe von uns allen. Wer spenden oder sich politisch engagieren möchte, kann das dann immer noch tun. Die Praxis hat gezeigt, daß sich die Vogelbestände überall dort, wo gefüttert wird, erholen.

Und wie lange soll die Vogelfütterung fortgesetzt werden?
Bis die Natur wieder genug Lebensraum und Nahrung für alle Arten bietet. Vor allem die letzten ca. 100 Jahre ist unsere Industriegesellschaft dabei, die Natur systematisch auszubeuten. Das wieder in vernünftige Bahnen zu lenken und die gröbsten Schäden zu beseitigen ist langwierig, aber nicht unmöglich.

Es geht um die Wiederherstellung der Biodiversität, also der natürlichen Vielfalt. Dazu gehört an oberster Stelle die ökologische Landwirtschaft. Jeder kann seinen Beitrag leisten, indem er z.B. Bio-Lebensmittel kauft, naturnahe Gärten anlegt, auf möglichst viele Giftstoffe verzichtet, andere Menschen informiert, ein bewußtes Leben führt usw. Und natürlich Vögeln und anderen bedrohten Tieren zu überleben hilft.

 

   

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